Die mythologische Unterwelt

Die spirituelle Welt war etwas, was alles durchdringt und belebt. Das “Spirituelle” war nicht etwas getrenntes von der materiellen Welt. Es gab keine klare Grenze zwischen der Geisterwelt und unserer Welt der materiellen Erscheinungen. Nun, wenn wir heidnische und schamanische Kulturen recherchieren, dann stellen wir fest, dass dieser Glaube an eine Geisterwelt etwas universales gewesen sein muss. Der Glaube an diese Unterwelt ist etwas, was in vielen Traditionen, Mythen und Erzählungen verborgen liegt. Wenn wir die Mythen aus Bayern und dem Alpenraum studieren, stellen wir fest, dass Berchta hierbei eine wichtige Rolle gespielt haben muss, denn gerade zu den Rauhnächten stehen die Tore in jene Unterwelt weit offen, und Berchta führt zusammen mit Wotan die wilde Jagd. Wir bewegen uns hier in einem “feinstofflichen” Bereich, in einer Welt der Mythen und Erzählungen.

In der heutigen Gesellschaft tun wir uns sehr schwer damit, so etwas wie “parallele Realitäten” zu akzeptieren, geschweige diese Vorstellungen auch nur zuzulassen. Und doch war jener Glaube etwas, dass wir bei so vielen Kulturen auf der ganzen Welt wiederfinden, und mehr noch, es gibt so viele Überschneidungen und Gemeinsamkeiten in den Mythen, dass man dieses Thema ruhigen Gewissens näher beleuchten kann. In der Religionswissenschaft ist es bekannt, dass die Vorstellung einer Unterwelt sehr viel älter als die christliche Variante der Hölle ist. Mit der Hölle assoziieren wir das “Böse” und Bestrafung, die Welt des Teufels und seiner Dämonen. Doch auch die Vorstellung von Dämonen entstammt den Vorstellungen vorchristlicher Kulturen an eine Unterwelt. Im Alt-Griechischen bedeutet Dämon “Daimōn”, geschrieben δαίμων, und entspricht nicht zwanghaft etwas boshaftem. Es umschreibt vor allem eine Art Geisteszustand, oder einer Entwicklungsstufe, eines Geistes. Das kann sowohl ein Naturgeist als auch der Geist eines Verstorbenen gewesen sein.

In der Unterwelt ist dieser Geist verschiedenen Aufgaben unterworfen. Um es kurz und einfach zu sagen: Ein Daimon ist eine Entwicklungsstufe eines Lebewesens, welcher sich vom Ich-Bewusstsein weiter- oder höher entwickelt hat. Der Eintritt in die Unterwelt entspricht in diesem Falle dem Aufgeben des alten Ego’s. In der griechischen Mythologie gibt es sehr viele Vorstellungen von jener Unterwelt: Es ist die Welt von Hades. Das Wasserelement spielt hierbei eine entscheidende Rolle, denn der Fluss Styx stellt eine Art Übergang dar. Ähnliches kennen wir aus der nordischen Unterwelt, genannt Helheim und Nifelheim. Hier haust die nordische Hel. Im deutschsprachigen Raum auch Holda genannt, oder in Bayern die alte Berchta. Bevor man hierher kommt, muss man den Fluss Gjöll passieren. Die Vorstellung von “Valhalla” ist hierbei gar nicht so wichtig, wie oft angenommen wurde. “Valhöll” kannte man eher bei den Nord-Germanischen Stämmen und war bei den germanischen Stämmen im alten “Germania” kaum bis gar nicht verbreitet. Auch war Helheim kein Ort des Bösen. Die Dunkelheit der Unterwelt wurde mit der Leere der Rune Uruz assoziiert, und entsprach eher der Vorstellung eines Zustandes nach dem Tod, bevor der Erschaffung der materiellen Welt Midgard. In der Kabbalah kennen wir hierfür den Begriff Ain Sof, אין סוף‎.

Bei Holda ist es vorallem der Wasserbrunnen, welcher als Tor zur Unterwelt fungiert.
Auch die Römer kannten eine Unterwelt, beherrscht von Pluto und die Kelten hatten hier je nach Region verschiedene Namen und Bezeichungen, etwa bei den Iren war es die Welt von Morrigan, bei den Galliern war es die Nantosuelta… jedoch war ihre Vorstellung von der Unterwelt sehr ähnlich und war gerade bei Festen wie dem Samhain etwas, was den Menschen sehr nahe war.
Die allermeisten amerikanischen Stämme glaubten ebenfalls an eine dunkle Geisterwelt, diese sind regional unterschiedlich, jedoch meist frei von einer moralischen Bewertung. Ob bei den Maya, Inka oder den Hopi Indianern: Sie alle kannten den “grossen Geist”, und eine Essenz, welche alles durchdrang. Und mit dieser Essenz konnte man in der Welt der Geister und Toten in Verbindung treten, kommunizieren und verhandeln.

Die “Unterwelt” ist die uralte Vorstellung einer Geisterwelt, welche zwar unabhängig von unserer Welt existiert, deren Geister, ob Dísa, Kachina, Svartalfar, mit unserer Welt und der Welt der Elemente verwoben sind. In den meisten Mythologien ist die Unterwelt mit der Jahreszeit des Winters, der Dunkelheit und des Todes verbunden. Die Unterwelt ist eine Art Baustein unserer Welt, welcher das Universum durchdringt und mit Allem in Zusammenhang steht.

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