Heidnische Kräuter

Pflanzen spielen in vorchristlichen Kulturen eine überaus grosse Rolle. Das wird heute in Ton, Schrift und Bild leider oft übersehen und vernachlässigt. Doch Pflanzen waren mehr als materielle Gebilde, welche leblos hin vegetieren. Das muss erkannt und verstanden werden. Wenn wir heute mit vielen Menschen über Pflanzen sprechen, dann kennen viele vielleicht die Pfefferminze, oder die Kamille, sicherlich vorallem die Tabakspflanze. Doch vielen ist nicht bewusst, dass heidnische Glaubensformen viele Pflanzen und Bäume geradezu verehrten. Ich sprach in vielen meiner vorherigen Beiträge vom Animismus, einen Begriff welcher von der modernen Anthropologie geprägt wurde. Und oftmals ist er eher abfällig, als positiv gemeint. Viele Gartenbesitzer sprechen oft von den lästigen Unkräutern, und im Baumarkt gibt es allerlei Mittel, um diese Unkräuter zu beseitigen. Es sind oftmals scheinbar unauffällige Kräuter, welche eine Geschichte in Sagen, Brauchtum & Mythologie haben, die bis in die Steinzeit zurückreichen.

Im Alpenraum, wenn der Sommer sich gen Ende neigt und die Ernte vom Acker geerntet worden ist, ist es die Heilige Maria, welche wieder in den Himmel heimkehrt. Im August ist oft Erntezeit für allerlei Kräuter und gerade im Allgäu gibt es hierzu immer noch Sagen und Brauchtum, wie etwa dem 9 Kräuterbüschel. Dabei sind es vorallem die alten Frauenkräuter, welche Fruchtbarkeit bringen und Unheil vertreiben. Jene Frauenkräuter waren sowohl bei germanischen, slawischen, römischen und keltischen Stämmen bekannt. Darunter unter anderem die Schafgarbe. Sie galt der Göttin Freya, und soll bei Beschwerden der weiblichen Organe Abhilfe verschaffen. Freya als weiblicher Archetyp, welche ihre Kraft innerhalb jener Pflanzen auf den Menschen überträgt. Ähnliches Brauchtum können wie in Indien bei der Göttin Devi wiederfinden. Es ist ihr Geist, welcher in vielen Pflanzen wiederzufinden ist. Der Beifuss ist Teil dieser Kräuter und galt dem Gott des Waldes. In Nordamerika wird mit Beifuss bei einer Geburt geräuchert und bei schamanischen Zeremonien, um mit der Welt der Ahnen in Kontakt zu treten. Im Alpenraum räuchert man mit den 9 Kräutern noch heute während den Raunächten, welche von der Maria gesegnet wurden. Die Idee, dass ein heiliger Geist jene Kräuter absegnet ist freilich Uralt. Hier ist im wahrsten Sinne des Wortes der Animismus im Brauchtum verborgen.

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Der Baldrian ist eines der Johanniskräuter, welches zu einem festgelegten Zeitpunkt im Jahr geerntet werden muss, da er die ganze Kraft der Sonne* in sich aufnimmt. Hier steckt das Wort Baldr* drinn. Der Baldrian war Teil der Salbung von *Jesu Christi und soll mit dem heiligen Geist verbinden. Bei den frühen Kelten & Germanischen Stämmen war es die Brigit, welche die Kraft in den Pflanzen verkörpert. Aus ihrem Geist wächst und gedeiht die Natur. Sie ist die Urmutter, ganz ähnlich der Göttin Holda oder Berchta. Sie hat viele verschiedene Namen, doch ihr Mutter-Archetyp ist bei vielen Kulturen vorhanden. In Indien ist es die Kali, welche die Urmutter ist. Dieser Archetyp ist vorallem ein Sinnbild der Furchtbarkeit der Natur und der Erde. Der wichtigste Baum in den deutschsprachigen Ländern ist wohl der Holunderbaum. Der Holunder war so heilig, dass man seine Zweige nicht ernten, den Baum nicht fällen durfte. Ähnlich dem Beifuss kann der Holunder den Weg bereit machen für die Unterwelt der Toten: Ganz im Sinne von: Der Geist der Alten lebt in jedem Teil des Baumes.

Geister leben in den Kräutern wieder. Es sind die Pflanzen selbst, welche eine Seele beherbergen. Das war der Glaube der frühen Jäger- und Sammler. Und Teile davon erkennen wir in der Marienverehrung, dem Räuchern in den Rauhnächten, den Merseburger Zaubersprüchen und dem Neunkräutersegen. Der Archetyp der Urmutter spielt hierbei eine zentrale Rolle bei den animistischen Völkern. Im tiefen Westen der USA gab es einen Bärenkult, wie auch in Europa. Der Bär hat einen Geist und weiss um die Geister in den Kräutern bescheid. Deshalb kann er in Visionen erscheinen und bietet bei Krankheit das jeweilige Kraut an, um Heilung zu bringen. In Europa war der Bär ein Totem, wie auch in Nordamerika. Aber mehr noch, gleich der Alten Holda, zieht auch er sich in “die Unterwelt”im tiefsten Winter zurück. Und dort, in der Unterwelt, lernt er jenes Wissen von der Alten selbst. Nicht umsonst haben viele Pflanzen Namen wie Bärlauch, und so weiter…

Das Wissen ist alt, fast vergessen. Aber Bäume und Pflanzen waren wichtig. Es geht – wie ich oftmals in meinen Artikeln angedeutet habe – vorallem darum, sich mit der Natur seelisch zu verbinden, darauf einzulassen. Einfach das, was man angelesen hat, aus dem Kopf verbannen und die Natur auf sich wirken lassen. Das fehlt vorallem im Neu-Heidentum. Dabei ist dies doch das wichtigste überhaupt, um natürlich zu denken und zu leben. Pflanzen und Kräuterkunde können hierbei spannende Themen sein. Es reicht schon, wenn man im Wald 5, vielleicht 10 Kräuter wieder bestimmen kann, um die Geschichte und der Namen weiss. Dann wird die Natur viel lebendiger, von ganz allein.
Bild hat meine Frau gemacht. Ich bei einer Wanderung in den Rocky Mountains, USA.

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