Zwerge, Wichtel und Naturgeister

Auch, wenn es heutzutage vielen nicht mehr bewusst ist. Auch, wenn es bereits in sehr vielen Köpfen längst in Vergessenheit geraten ist. Es gab einen Glaube, welcher in Europa, Nordamerika, Asien und Afrika weit verbreitet gewesen war. Es gibt, und viele Völkerkundler bestätigen dies, kaum ein Volk, welches sie nicht kannte: Bist Du mit ihnen auch aufgewachsen? Kennst Du sie aus Sagen, Märchen und alten Erzählungen? Es gibt da ein kleines Volk, welches inmitten der Natur lebt und wohnt. Manchmal unter den Bäumen, öfters in den tiefen Wäldern. Kulturanthropologen sprechen hier vom “Animismus”, dem Glaube an die Beseeltheit der Natur, einer der Natur innewohnenden Intelligenz. Es gibt kaum ein Volk, welche dieses Volk nicht kannte. Auch bei uns in Europa war das so. Nur ist es längst vergessen, oder als lächerlich und primitiv verdammt und verlacht. Nun, ob man daran glauben will oder nicht, dass bleibt jedem selbst überlassen. Aber schauen wir mal, wie tief dieser Glaube war, und wie weit verbreitet er gewesen ist.

Gnome, Wichtel und Zwerge leben inmitten der Natur. In Skandinavien nennt man sie die “Tomtenisse”, und mit ihren Hüten können sie sowohl gutwillig, als auch jugendlich-leichtsinnig sein. Das Småfolk nennt man sie in Schweden. Das kleine Volk. Sie kommen gern zu Besuch, stehlen Socken oder man muss sie um Erlaubnis bitten, wenn man zum Beispiel ein Haus auf ein unbebautes Grundstück bauen möchte. Sowohl die Römer, Germanen, Kelten und slawischen Stämme kannten sie.

Bei den Germanen glaubte man, dass die Anwesenheit dieser Wichtel einen geradezu in Ekstase versetzen kann, in einen Rausch der sexuellen Lust und der Liebe. Bei den Kelten kannte man sie ebenso, insbesondere bei Beltaine glaubte man, dass sie den Menschen mit neuer Freude, Lust und Leben erfüllen und das Leben um uns herum wieder fruchtbar machen. In den Sagen und Märchen erscheinen sie oft mit Mütze und Bart, und hinter diesen Erscheinungen gibt es jede Menge Symbolismen, welche man entschlüsseln kann. Die Mütze kann man als Phallus-symbol deuten, den Bart als ein Zeichen von Weisheit und Lebenserfahrung. Sie leben an bestimmten Orten, manche mögen es unter einem Holunder oder auch der Birke.
In Indien kennt man die “Devas”, welche der Natur leben einhauchen. Die Mutter aller Dinge, Maha Kali, erschafft, erhält und zerstört. Sie gibt Leben und auch Tod, transformiert und recycelt im ewigen Kreislauf der Natur, ganz ähnlich der Frau Holle oder auch dem griechischen Gott Pan, welche allesamt ihre kleinen Helferlein und Unterstützer in der Natur haben.

In Nordamerika bei den Pueblo Indianern leben die Kachina. Die Kachina sind kleine Naturwesen, und ohne das Werk der Kachina wäre der Anbau von Nahrung weder möglich noch fruchtbar. Sie bringen die Fruchtbarkeit in die Natur und in die Menschen hinein. Sie zeigen sich bei schamanischen Tänzen mit ihren Masken und können ebenso gutartig wie auch zerstörerisch sein.

Bei den Crow-Indianern, welche sich selbst Apsáalooke nennen, gibt es die Nirumbee-Geister, welche vorzüglich in den Pryor-Bergen in Montana leben. Dieses kleine Volk liebt es dort in den Bergen, und können eine eher schreckhafte Gestalt annehmen. Manchmal kommen sie und stehlen Tabak oder Nahrung. Deshalb gibt man ihnen rituelle Zeremonien, um deren Respekt und Akzeptanz zu gewinnen und um eine Balance zwischen den Menschen und den Nirumbee zu erhalten. Ganz ähnlich den Bräuchen in den Alpen, wenn man Mehl oder Bier den Bergmandl’ und Salamandern gibt, um etwa das Wetter zu erhalten oder um eine gute Ernte zu bitten. In Island kennt man das Huldufólk, welche in der Erde, den Bergen und unter Felsen leben. Auch sie sind weise, lebenserfahren und wichtig für die Fruchtbarkeit, und das Leben der Natur. Es sind uralte Vorstellungen, kulturübergreifend. Das hier hat nichts mit New-Age zu tun, auch nicht mit sonstigen esoterischen Theorien. Es sind Vorstellungen, welche fast jeder Kultur der Jäger und Sammler zu eigen waren. Die Grundidee ist wohl, dass es innerhalb der Natur ein Bewusstsein gibt. Und dieses Bewusstsein war mittels dieser Wesen für uns Menschen greifbar, und vorstellbar geworden. Es gibt Studien, welche belegen, wie alt diese Erzählungen sein könnten.

Im Aarne–Thompson–Uther Index finden wir eine massive Zusammenfassung dieser Erzählungen wieder. Mit Hilfe der sogenannten phylogenetischen Analyse ist die moderne Märchenforschung ein gigantisches Stück weiter gekommen. So haben viele unserer bekannten Märchen und Sagen den Ursprung in der Stein- oder Bronzezeit. Sagen und Märchen, wie die Schöne und das Biest, Rotkäppchen und andere können somit 4000 bis über 5000 Jahre alt sein und haben den Ursprung bei den Ur-Indoeuropäern. Wir wissen bis heute nicht, wie diese Ursprache wirklich ausgesehen haben könnte, und von wo genau dieses Urvolk wirklich kam. Hierzu gibt es verschiedene Hypothesen, ob aus der Ukraine oder Punjab in Indien. Doch eines ist sicher: Das nächste mal, wenn Du einen Gartenzwerg siehst, tu’ es nicht als Spinnerei ab. Versuche stattdessen, die Symbole zu verstehen. Das Alter dieser Vorstellungen geht weit über unsere Vorstellungskraft hinaus. Sie sind uralt und Zeugen einer vorchristlichen Zeit.

http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/3/1/150645

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