Eine neue Perspektive

“Eine neue Perspektive”
Es gibt seit den letzten Jahren wieder vermehrt Interesse an “heidnischen” Themen, an vorchristlichen Bräuchen welche zwar vom Christentum stark beeinflusst worden sind, jedoch nach wie vor vorchristliche Wurzeln haben wie zum Beispiel die Perchtenläufe.
Ja, auch das Heidentum ist in der Subkultur angekommen. Es gibt heidnische Musik Bands, Magazine, Kleidung, Festivals mit heidnischer Symbolik. Wenn man sich mit den Interessenten jener Subkulturen unterhält, merkt man vereinzelt sehr stark, wie emotionsgeladen diese Themen aufgearbeitet werden. Es ist immer von Kriegern, Walhalla, und den Wikingern die Rede. Wenn man an diesen Themen aufgrund von simpler Unterhaltung seinen Spass hat, dann ist daran nichts schlecht oder falsch. Was aber, wenn man sich in der Tat den Mythen, Sagen und dem vorchristlichen Weltbild nähern möchte, um es tiefer zu verstehen?
Mir liegt es fern, hier das Christentum als Feind darzustellen. Auch liegt es mir fern, dass ohnehin schon stark idealisierte Bild vom Heidentum; Wikinger, Met, Walhalla und Odin zu stärken. Auch mit Neuzeit-Ideologien will ich nichts zu tun haben. Es geht mir vor allem darum, das alte Weltbild zu verstehen, nachzuvollziehen und gegebenenfalls neue Perspektiven auch für uns heute daraus zu gewinnen.
Europa ist ein alter Kontinent. Hier lebten Jäger und Sammler Kulturen für eine sehr lange Zeit, und wenn man so etwas wie “Heidentum” greifbar machen möchte, dann müssen wir uns erst einmal mit der sehr langen Geschichte von Europa vertraut machen. Wir sollten gerade hier den kultischen und spirituellen Überlieferungen Aufmerksamkeit schenken. Bei den Jäger und Sammler Kulturen gab es eine Art Grundkonsens, eine Uridee, oder eine Art intuitives Wissen, welches bei vielen Völkern Europas, Asien und Nordamerika vorzufinden ist. Jene Uridee fassen wir heute als Animismus zusammen, welcher insbesondere bei denen schamanischen Naturvölkern vorzufinden ist. Lat. Anima, Seele, Geist.
Der Natur wohnen Kräfte inne, ein intelligentes Bewusstsein mit welchem wir uns verbinden können. Es gibt einige Theorien um den Bärenkult in Europa und auch sehr viele Orte, welche bis in die Steinzeit zurück reichen und von den Indoeuropäern für kultische Zwecke benutzt worden sind. Aber kaum jemand spricht darüber wenn es um das “Heidentum” geht. Es findet wenig bis kaum Beachtung. Wir müssen uns wohl von vielen Vorstellungen, welche wir vom “Heidnischen Europa” haben, verabschieden.
Sie sind nicht hilfreich, sondern blenden mit ihrer idealisierten Art und führen uns in eine Sackgasse.
Auch das allseits beliebte Wikinger-Zeitalter ist definitiv nicht so gewesen, wie wir es heute aus lyrischen Texten von Musik Bands und Filmen kennen. Auch ist das Wikinger-Zeitalter nicht “der Beginn des Heidentums” gewesen, auch wenn es manchmal den Anschein erwecken mag, dass gerade “Neu-Heiden” diese Epoche als solches verkaufen möchten. Wikinger, das stammt vom Altnordischen Víkingr und meint letztendlich die Seemänner und Händler. Was ist aber mit den Bauern und Fischer, welche in Skandinavien blieben als die Wikinger den Atlantik erkundigten? Das waren genauso Heiden, finden aber in Bild und Ton in unserer Unterhaltungskultur fast überhaupt keine Beachtung.
Es ist also nicht so einfach, wie vielerorts dargestellt. Wo fangen wir an…? Wir müssen sehr weit in die Vergangenheit blicken um das vorchristliche Europa zu verstehen. Und auch hier sind viele Überlieferungen irreführend. Was wir über Germania wissen, stammt zum Teil von den Römern. Deren Beschreibungen sind sicherlich nicht neutral gewesen. Die Edda selbst ist ebenso absolut kein Garant dafür. Wer hat sie verfasst? Es gibt nur wenige verlässliche Quellen, wenn überhaupt. Wir können aber zweifelsohne feststellen, dass jene Völker ein ganz anderes Verhältnis zur Natur gehabt haben müssen. Natur, dass bedeutete Leben und Tod. Es bedeutete Licht und Dunkelheit. Die Natur, dass ist als “All”, es ist mit allem verbunden, tief verwoben und alles bedingt einander. Wir sind ein Teil davon, wir brauchen die Natur. Die Natur selbst nährt uns, weiter noch, sie gebar uns. Wer sich darauf einlässt, dem steht die Türe ein klein wenig offen und man bekommt eine kleine Ahnung (hier steckt das Wort “Ahne” drin). . .

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