Das Wolfsauslassen

Heute hört man wieder öfter von ihm in Mitteleuropa. Er war hier für lange Zeit heimisch. Doch mit der Abholzung und der Erschaffung des Forstes, einer von wirtschaftsorientierten Kulturlandschaft gab es auch für ihn keinen Platz mehr. Ich spreche natürlich vom Wolf. Bis circa 1850 war er im bayerischen Wald heimisch. Früher, als das Leben noch komplett von der eigenen Ernte, und was der eigene Boden hergab, abhängig war, wurde er mehr und mehr gefürchtet, denn er bedrohte Hof und Vieh.
Das Vieh trug oft grosse Glocken um den Hals, damit Bären und insbesondere die Wölfe fernbleiben. In Niederbayern gibt es eine alte Tradition, das Wolfsauslässen oder Wolfsausläuten, welches damit in direkter Verbindung steht. Früher wurde das Jungvieh Jahrhunderte lang im Sommer auf grüne Wiesen getrieben. Die Glocken und das Schnalzen der Goaßln war als Signal an die Wölfe zu verstehen, die dem Vieh fernbleiben sollen. Dies geschah dann beim Weidenabtrieb, um auch eine erfolgreiche Ernte bzw. Weidensommer zu zelebrieren. Das Wolfauslassen wird traditionell am 10. bzw. am 11. November im bayerischen Wald, vorallem in Rinchnach, zelebriert.
Wahrscheinlich liegt der Ursprung dieses Brauches irgendwo zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert, um das Vieh zurück in die dörfliche Gemeinde zu bringen. Mit dem Lärm der Glocken und der Goaßln, welcher in Gruppen von den Hirten lautstark durch die Dörfer zogen, wurde den Wölfen nun signalisiert, dass sie wieder zurück auf die Weide dürfen, daher kommt der Begriff “Wolfauslassen”.

Es ist ein Brauch, welcher tief in der Agrarkultur verwurzelt ist, denn die Menschen waren früher viel mehr von einer regionalen Ernte abhängig, als dies heute der Fall ist. In unserer globalisierten Welt können wir auch im Winter Erdbeeren aus Spanien oder Mexiko verzehren. Dies war früher ganz klar nicht der Fall. Daher ist das Wolfauslassen auch als eine Feier der Ernte und eines guten Jahres zu verstehen. Meist forderten die Hirten hierbei ihre Löhner ein, heute gibt es beim Wolfauslassen meist eine Brotzeit und ein Bier.
Es gibt auch hier einige Sagen, welche die Vermutung nahe legen, dass es sich hierbei ebenso um einen keltischen Brauch handeln könnte, welcher weit älter ist und nicht nur dem Weidenabtrieb des Viehs diente, sondern auch dem Austreiben von negativen Geistern, welche den Tieren und der Ernte schaden könnten. Es könnte so sein, denn die Kelten waren bekannt für ihre in der Landwirtschaft tief verwurzelten Traditionen.
Es gibt nur leider keinerlei verlässliche Beweise oder Quellen hierfür. Auch hier bleibt die mystische Aura am Brauchtum erhalten.

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