Brauchtum in Bayern

In Bayern haben wir noch eine Bräuche, welche “heidnischen” Ursprunges sind. Das Wort “heidnisch” ist ein Begriff, welcher kulturell leider bereits negativ besetzt ist. Es ist ein Brauchtum, welcher vorchristliche Wurzeln besitzt und seine Wurzeln in der Agrarkultur der keltischen Völker hat. Ein Brauch, bei dem es um die Jahreszeiten, den Wechsel der Kräfte der Natur geht. Es geht darum, zu erkennen, dass die Natur mit Kreisläufen arbeitet. Nach dem Winter kommt immer ein Frühling, und nach dem Sterben der Natur kommt die neue Saat und Fruchtbarkeit …
Eines dieser alten Bräuche ist der sogenannte Perchtenlauf und die Rauhnächte. Das Wort “Rauhnacht” stammt von rûch, welches “rauch”, “rauh” bedeutet. Und in der Tat, wenn man die alten Traditionen unter anderem im bayerischen Wald kennt, ist es Brauchtum, dass man in den Rauhnächten räuchert, um negative Wintergeister auszutreiben. Sie bringen verursachen normalerweise nur Krankheit, oder bringen Unheil.
In den kältesten, dunkelsten Nächten des Jahres finden die Rauhnächte statt. Dann, wenn die Tage am kürzesten sind und die Tore zur Anderswelt weit offen sind… wenn allerlei Geister aus der Unterwelt in unsere Welt übertreten. Dies ist die Zeit der Kommunikation, der inneren Verbindung mit den Ahnen, Geistern und den Verstorbenen. Man kennt diese Zeit auch als Wotan’s wilde Jagd, Oskorei, und Teil dieser Jagd ist Frau Holle. Wir kennen sie aus den Märchen- und Sagenwelten. Sie ist die Urmutter, ein uralter Archetyp welcher sich bis die Steinzeit zurückverfolgen lässt. Es gibt viele Kulturen, welche diese Urmutter als Archetyp kennen. Kali in der Hindu-Mythologie, zum Beispiel.
Frau Holle, wer kennt sie nicht? Sie hat viele Namen und Formen. Sie kann ihre Erscheinung verändern und hat ebenso das Licht wie die Dunkelheit in ihrem Wesen verkörpert. In Bayern kennt man sie unter dem Namen Berchta. In der nordischen Mythologie ist sie bekannt als Hel, Göttin der Unterwelt. Wir sprechen wir von Archetypen welche weit älter sind, als wir es vermuten. Es gibt einige Studien von Universitäten, welche besagen dass jene Gestalt einige tausend Jahre alt sein muss und bereits schon bei den Indo-Europären bekannt war. Die Bräuche in den Alpen sind vielschichtig, komplex und sicherlich weitaus schwieriger zu durchschauen, als unser moderner Zeitgeist es wahrhaben möchte. In der modernen Gesellschaft strafen wir jene Bräuche als “primitiv” und “einfach” ab, ähnlich der Entwicklungsstufe von einem kleinem Kind. Jedoch gibt es viele Studien, welche eindeutig beweisen, dass diese Annahme nichts weiter als eine Illusion ist. Es ist weitaus komplexer, als wir annehmen.
Wenn die Tage kürzer werden und die Sonne immer weiter sich gen Erde neigt, dann ist die Zeit der Dunkelheit angebrochen. Wintergeister, welche die Tore zur Unterwelt weit offen halten, sind überall anzutreffen. Berchta ist beides, sie ist Dunkelheit als auch Licht, Schön als auch Schiach. Und wenn die Zeit der Rauhnächte zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar anbricht, dann müssen sich Familien schützen, meist mit Räucherungen und Gebeten.

Denn Wotan und seine Jagd ist unterwegs und überall kann es sein, dass wir mit negativen Kräften in Kontakt kommen. Berchta ist ein Archetyp, eine Art Urgeist. Und die Rauhnacht ist ein Zeitpunkt der Kommunikation. Wenn die Masken aufgesetzt sind, und die Perchtenläufe anstehen, dann ist es so, als ob wir diesen Geist selbst verkörpern. Es geht darum den Kreislauf und Wechsel der Jahreszeiten zu vollziehen und den Winter bis zu seinem Ende zu begleiten. Und wenn dies erfolgreich getan ist, dann ist es Zeit für neue Fruchtbarkeit und neues Leben. Im Brauchtum auch bekannt als Fasching.
Berchta hat viele Aspekte, und ihre Unterwelt ist ein Ort der Transformation. In dieser Dunkelheit wächst neues Leben, es gedeiht neues Saatgut und alles was stirbt, muss dort zurück gehen um wieder neu zu gedeihen.
Sie ist ein Archetyp aus einer alten Zeit und ein Zeugnis, wie wichtig der Jahreswechsel für die Bevölkerung gewesen sein muss. Dieser Wechsel bedeutete überleben und der Beginn von neuem Leben selbst.

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